Schritt 2
Hier ist ein Teil eines Hörtextes. Aufgabe: hören und verstehen :)
Meine Frage: Wie wichtig ist das Wort ,,machen" in eurem Wortschatz?
Das haben wir gehört :)
Ein wesentliches Merkmal der Ausdruckskraft einer Sprache ist die Vielfalt der Verben. Sie drücken aus, was der Mensch tut. Grundschüler nennen sie deshalb auch "Tu-Wörter":
Sprecherin:
Laufen, beißen, lesen, schließen, schreiben, atmen, töten, schlafen, träumen, vergessen .... .
Sprecher 1:
Eine beliebige Auswahl von "Tu-Wörtern", also Verben. Wer viele von ihnen zu seinem Sprachschatz zählen und sie richtig anwenden kann, verfügt über eine große Ausdruckskraft. Doch droht manchen Verben – eigentlich schon seit etwa zweihundert Jahren – Gefahr durch ein verallgemeinerndes Ersatzwort, ein Allerweltswort.
Sprecher 2:
Sprache, das lehrt die Sprachgeschichte, leidet unter Veränderung, Verschleiß und Verlust. Wörter ändern oder verlieren ihre Bedeutung, ändern Schreibweise und Sprachlaut, etliche werden verdrängt, gehen verloren oder werden einfach durch ein anderes Wort ersetzt.
Sprecher 1:
Ein solches Ersatzwort heißt machen. Ursprünglich bezeichnete es im althochdeutschen Sprachgebrauch eine ganz konkrete Tätigkeit, nämlich das Kneten und Formen des Lehmbreis für den Hausbau. Dann verallgemeinerte sich seine Bedeutung mehr und mehr. Zunächst meinte machen noch herstellen oder anfertigen, dann trat es aber immer deutlicher an die Stelle allgemeinen Tuns:
Sprecherin:
Man macht die Tür auf – statt sie zu öffnen. Man macht das Licht aus – statt es zu löschen. Man macht sich Gedanken – statt ganz einfach zu denken. Man macht sogar ein Gedicht – statt zu dichten ... .
Sprecher 1:
Es ist die Macht des Machens, die unsere Sprache ärmer werden lässt, Eintönigkeit verbreitet und stilistischen Mangel zur Folge hat.
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